Der Raum ist klein… – Action-Meeting 2019

Projekt „4days4future“ – YoungCaritas in Europe

Author: Hannah D., youngCaritas Vienna

Das kleine und altmodische Wohnzimmer

Der Raum ist klein, warm und etwas stickig, altmodische Möbel mit abgetragenen Überzügen säumen die mit Holz bestückten Wände. Durch die drei Fenster strömt Licht, der Blick fällt durch sie auf die hell- und dunkelgrünen Baumwipfel des Schwarzwaldes. Eine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 29 Jahren sitzen im Kreis um einen kleinen Tisch, in Gespräch vertieft. Wie ein Ball in einem Spiel sausen Wörter und Sätze, Fragen und Antworten zwischen der kleinen Kongregation hin und her, manchmal auf Deutsch, manchmal auf Französisch oder Englisch, ab und an durch eine junge Dolmetscherin unterbrochen. So viele verschiedene Gesichter, Sprachen, Ideen- Was bringt sie zusammen?

Die Antwort lautet: der gemeinsame Wille, etwas zu verändern und wohl auch die Hoffnung auf eine Zukunft. EINE Zukunft. Das klingt so … ungewiss. Wie wir wissen, ist es das auch, denn wer versichert uns, dass wir in turbulenten Zeiten wie diesen überhaupt eine Zukunft haben werden? Und wenn wir eine hätten – was wäre es dann für eine? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigen sich die Jugendlichen, die von der „youngcaritas“, dem Nachwuchsprojekt der bekannten Hilfsorganisation, aus der Schweiz, Luxemburg, Frankreich, Italien, Österreich und den verschiedensten Regionen Deutschlands an diesen wohl als entlegen zu bezeichnenden Ort – Lenzkirch im Schwarzwald – entsandt wurden. Hier erwarten die 39 Personen im Rahmen der „4 days for future“ eine breite Palette an verschiedensten Möglichkeiten, sich über Ideen zu Themen wie Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Solidarität auszutauschen und gemeinsam auch erste Initiativen zu ergreifen.

Unsere lustige und aktive Gruppe!

Was mit ein paar Kennenlern-Spielen unter Fremden beginnt, entwickelt sich bald zu einer kleinen Gemeinschaft – nicht nur die sprachlichen Barrieren, sondern auch die erste Zurückhaltung werden bald abgeworfen, der Wille zum Kennenlernen und zum Austausch sind von vornherein deutlich zu spüren. Am Freitag, dem Tag nach der Ankunft, geht das eigentliche Programm los: Neben dem gemeinsamen Kochen steht auch die Organisation von Arbeits- und Projektgruppen, die sich je nach Interesse für verschiedene Themen und Fragestellungen zusammenfinden, am Programm. An Eigeninitiative und Vielfalt fehlt es dabei nicht: von einem interaktiven Kurs zum Thema „Nachhaltige und natürliche Kosmetik und Körperpflege“ bis hin zum Thema des Umgangs der EU mit den Folgen des Klimawandels ist alles dabei. Das verstaubte Selbstversorgerhaus sprudelt förmlich vor angeregten Konversationen. Angenehm ist, dass es zur Abwechslung einmal nicht nur um die „Klimakatastrophe“, Vorwürfe und Pessimismus, sondern vor allem um Zuversicht und positive Lösungsansätze geht. Jeder einzelne scheint eine besondere Information, Erfahrung oder Idee teilen zu können, die als Überraschung und Bereicherung zum Wissensstand der Gemeinschaft beiträgt. Es ist auch sehr motivierend, mit anderen über ihre Eigeninitiativen zu sprechen. Im folgenden Absatz habe ich versucht, die wichtigsten und interessantesten Informationen und Erkenntnisse der 4 kurzen Tage zusammenzufassen:

Thema: klimaschonendes Reisen

Wir kennen das Bedürfnis wohl alle – einfach wegzuwollen. Weg aus dem Alltag, weg aus der Arbeit, weg aus der gewohnten Umgebung. Das Problem: zu wenig Urlaubstage! Da liegt es nahe, dass sich viele einem intensiven Erholungsprogramm unterwerfen und ins Ausland fliegen, um sich auf die Kürze mit allem möglichen materiellen Luxus verwöhnen zu lassen. Das klingt zwar zunächst nicht übel, belastet aber die Umwelt fast so sehr wie die Geldtasche. Auch für den Menschen ist es nicht unbedingt gut- ist es während eines All-inklusive-Spanienurlaubes mit Ganztagsprogramm und persönlichem Animator denn überhaupt möglich, abzuschalten und sich einfach mal zu entspannen? Das es wesentlich kostengünstigere und interessantere Alternativen zu einem Kurzurlaub gibt, zeigen die Gespräche, die ich mit den beiden Weltenbummlerinnen Jasmin E. und Elena H. führte.

Elena H.

Elena H. aus der Schweiz hat ihre Ferien sinnvoll verbracht: sie reiste mit dem Zug für einen Monat durch Europa und besuchte insgesamt 7 Länder. Ihr „Interrail“- Ticket ermöglichte es ihr, innerhalb von 30 Tagen 10 Mal mit dem Zug zu fahren, was eine vergleichsweise kostengünstige und flexible Reisemöglichkeit darstellt. Während ihrer Reise übernachtete Elena meist in Hostels, versuchte es aber auch einmal mit der „couchsurfing“-App in Wien. Über diese App können Touristen, die in einer Stadt nach einer kostengünstigen Unterkunft suchen, gastfreundliche Einheimische finden, die sie in ihrer Privatwohnung „hosten“. Dies ist eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen, neue Menschen kennenzulernen und sich auch etwas in das Leben der Einheimischen einzufühlen. Einen realistischen Einblick in das Stadtleben hinter den Touristenattraktionen lieferten Elena auch sogenannte „Free walking tours“. Diese von Einheimischen inoffiziell geführten Stadttouren sind nicht nur sehr kostengünstig, sondern auch viel persönlicher und interessanter als die herkömmlichen Bustouren und ermöglichen es, die Metropole durch die Augen der Einwohner zu sehen.

Ob sie die mehrstündigen Zugfahrten gestört hätten? „Ganz und gar nicht. Zugfahren ist mir auf jeden Fall lieber als fast jede andere Reiseart. Man bekommt ein Gefühl für die Route und die Länge der Strecke, die man gefahren ist, die Umgebung kommt einem viel realer vor. Das Zugfahren hat mir auch die Möglichkeit gegeben, die ländlichen Regionen der Länder zu sehen- besichtigt habe ich ja fast immer nur die Städte!“

Jasmin E.

Dass klimaschonendes und kostengünstiges Reisen auch außerhalb Europas möglich ist, bewies Jasmin E. aus Wien. Sie flog nach Mittelamerika, wo sie für ein halbes Jahr zwischen den Staaten Panama, Costa Rica, Guatemala und Honduras pendelte. Ihren Unterhalt verdiente sie sich dabei als Hilfsarbeiterin in lokalen Hostels und kleinen Gaststätten. Dort durfte sie, als Gegenleistung für ihre Mithilfe im Betrieb, kostenlos essen und übernachten- die Apps „workaway“ und „helpx.net“, über die sie im Rahmen der Berufsmesse BEST erfuhr, halfen ihr dabei, die besten Ausschreibungen zu finden. Die Apps selber bewertet sie als sehr empfehlenswert, man müsse sich nur daran gewöhnen, viele verschiedene Anbieter anzuschreiben, da die meisten sich nicht zurückmelden würden. Ihren halbjährigen Aufenthalt in Mittelamerika empfindet Jasmin rückblickend als große Bereicherung, die durch einen Kurzurlaub nicht ersetzbar gewesen wäre. Sie habe zwar nicht ausschweifend, aber immerhin gut gelebt, an einem Tauch- und Sprachkurs teilgenommen sowie viel über das wahre Leben der Einwohner und ihrer noch stark durch die Maya geprägte Kultur erfahren und miterlebt.

Den Link zu ihrem Travel Blog findet ihr hier:

https://whatsaboutalaska.tumblr.com/

Thema: nachhaltige und umweltschonenden Körperpflege

Feryal trägt ihr Kaffee-Peeling auf Claudias Gesicht auf

Feryale, eine Französin, die bei der Körperhygiene komplett auf nachhaltige und natürliche Alternativen umgestiegen ist, hat einen sehr interessanten Kurs zur Herstellung diverser Pflegeprodukte veranstaltet. Anhand verschiedener Pasten, Cremen und Peelings demonstrierte sie, wie einfach und effektiv Pflegeprodukte aus Hausmitteln wie Zitronen, Natriumcarbonat und Essig hergestellt werden können. Ein paar einfache Rezepte, Informationen und Links findet ihr hier:

  • Shampoo: hierzu gibt es online verschiedene Rezepte zu finden, Feryale verwendet eine Mischung aus Rhassoul (Lavaerde, einer Art tiefreinigende Heilerde), Bicarbonat (Natron) und natürlicher Seife (sehr zu empfehlen sind dabei die Marseiller oder Aleppo-Seife, da diese sehr natürlich sind).
    Dabei ist zu beachten, dass auch normale Seife zur Haarreinigung verwendet werden kann. Was die Vor- und Nachteile davon sind, könnt ihr hier nachlesen:
  • Haarkur / Spülung: Feryale verwendet als Spülung für die Haare ein bisschen Kokosnussöl, welches sie mit Karitebutter (auch bekannt als Sheabutter) vermischt.
  • Peeling und Pflege für die Haut: Wer hat in unserem Alter denn nicht mit Hautunreinheiten wie Pickel und Mitessern zu kämpfen? Um diese mit natürlichen Mitteln zu bekämpfen, lässt sich ein einfaches Serum herstellen: einfach Zitronensaft mit Bikarbonat (Natron) vermischen und auf die betroffenen Hautstellen auftragen. Empfehlenswert ist dabei auch das gründliche Einreiben und Einmassieren mit einer sauberen und unverwendeten Zahnbürste!
    Besonderer Tipp: das Kaffee-Peeling! Hierzu einfach die Kaffee-Bohnen-Reste aus der Maschine leicht anfeuchten, sanft auf die Haut auftragen und einreiben! Die Wirkung ist sehr beeindruckend!
  • Damenhygieneartikel: Ja, auch da gibt es eine gute und umweltfreundliche Alternative: die Menstruationstasse! Die könnt ihr lange verwenden- Bis ans Ende eurer Tage!
  • Hygiene im Haushalt: und für die ganz motivierten unter euch- die Marseiller und Aleppo-Seife lässt sich natürlich auch im Haushalt anwenden! Wie viele unnötige chemische und umweltschädigende Reinigungsmittel sie tatsächlich ersetzen kann, seht ihr in diesem Video:

Tuto : 4 produits écolo pour nettoyer sa maison

Tuto : 4 produits écolo pour nettoyer sa maison Ça ne pollue pas, c'est moins cher, et ça désencombre nos placards. Avec La Maison du Zéro Déchet

Gepostet von Brut nature FR am Dienstag, 11. Juni 2019

Thema: Internetverbrauch

Die „energy group“ präsentiert ihre ersten Ergebnisse und Ideen

Einer der größten und wohl auch kompliziertesten Themen, die im Zuge des Projektes aufgearbeitet wurden, war das des Stromverbrauchs bei der Nutzung elektronischer Geräte. Da die Arbeitsgruppe sich hauptsächlich aus im technischen Bereich unerfahrenen „Laien“ zusammensetzte, waren wir sehr von dem Fachwissen einiger wenige angewiesen, die sich als Folge ihres Studiums (Automobiltechnik und Informatik) gut mit dem Stoffgebiet auskannten. Unser wichtigstes Ergebnis: Jeder Prozess braucht Strom!

Um das verstehen zu können, machen wir zunächst ein kleines Gedankenexperiment: Ihr sitzt auf einem Sofa, auf der euch gegenüberliegenden Seite des Raumes steht ein Korb mit fünf Bananen. Ihr habt zwei Möglichkeiten, um die Bananen zum Sofa zu transportieren: Fünf Mal jeweils eine Banane zum Sofa zu tragen (5 Prozesse) oder den ganzen Korb auf einmal zu schnappen (1 Prozess). Aufwendiger ist natürlich die erste Variante. Dasselbe gilt auch für Prozesse, die auf einem Computer oder Handy ablaufen. Je mehr man den „Grundzustand“ der Programme und Dokument verändert (z.Bsp. durch öffnen, schließen, bearbeiten oder löschen), desto mehr Energie verbraucht man!

Hanna D., die Autorin dieses Artikels

Aber Achtung! Die Aufbewahrung von Dateien, Fotos, Dokumenten etc, die bereits heruntergeladen wurden und im geschlossenen Zustand gespeichert sind, kostet KEINEN Strom, solange ihr Zustand nicht aktiv von außen geändert wird.

Was wir uns aus dieser Schlussfolgerung für den Alltag mitnehmen können:

  • Das Downloaden und Verarbeiten von Daten bestmöglich vermeiden (Nur Emails, Nachrichten, Newsletter, etc. öffnen, die man wirklich braucht)
  • Unnötige Zusendungen wie Werbemails und Newsletter canceln, da jede gesendete Email ein energieaufwendiger Prozess ist (Dafür ist auch die Verwendung der App „cleanfox“ sehr zu empfehlen)
  • Nur diejenigen Dokumente und Programme laufen lassen, die man wirklich braucht (unnötige Hintergrundprozesse vermeiden)
  • Nur so viele Bilder downloaden und versenden, wie unbedingt nötig, da das Komprimieren der Daten sehr energieaufwendig ist. (Snapchat und Instagram sind also alles andere als klimaschonend)

Thema: Umwelt in der Küche

Küchenstimmung

Wie wohl die meisten bereits aus der Zeitung wissen, verschwenden wir jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel, während in anderen Ländern Kinder hungern. Was im Großen wie ein unüberschaubares und unüberwindbares Problem aussieht, lässt sich aber im Kleinen gut bekämpfen. Neben einem bewussteren Umgang mit Essen gibt es inzwischen nämlich auch schon Apps, die es uns erleichtern, gegen Lebensmittelverschwendung vorzugehen. Dazu zählen bespielsweise “Etepetete”, “Scan me”, „Toxfox“ oder “Too good to go”. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, Lebensmittel zu kaufen und zu verwerten, die ansonsten in der Mülltonne gelandet wären. Auch der Umstieg auf Bio-Lebensmittel wird zunehmend leicht und kostengünstig- dabei besteht die Herausforderung vor allem darin, natürlich „unperfekte“ Lebensmittel in ihrem Aussehen zu akzeptieren. Der Geschmack spricht für sich!

 

Ich hoffe sehr, dass die Tipps euch weiterhelfen und auf den Geschmack bringen, was die Teilnahme an zukünftigen Events der youngcaritas betrifft. Jeder neue Mensch und jede neue Idee ist eine Bereicherung!

~ Hannah D.
youngcaritas Wien